Die Europäische Sumpfschildkröte ist eine kleine bis mittelgroße, fleischfressende und überwiegend im Wasser lebende Schildkröte. Sie ist die einzige Schildkrötenart, die – wenn auch selten – in Mitteleuropa (auch Deutschland) natürlich vorkommt. Sie besitzt darüber hinaus aber ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet, von Nordafrika im Südwesten bis an den Aralsee im Nordosten. Sie gehört zusammen mit der Sizilianischen Sumpfschildkröte (Emys trinacris) zur Gattung Emys. Ihre nächsten Verwandten sind die Pazifische Sumpfschildkröte (Actinemys marmorata) sowie die Amerikanische Sumpfschildkröte (Emydoidea blandingii).
Die Europäische Sumpfschildkröte erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Rückenpanzerlänge von weniger als 12 Zentimetern beziehungsweise mehr als 20 Zentimetern, wobei nördliche und östliche Unterarten im allgemeinen größer werden als südliche und Weibchen größer werden als Männchen.
Das Verbreitungsgebiet der Europäischen Sumpfschildkröte reicht von Nordafrika (Marokko, Tunesien) über die Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Korsika, Italien mit Sardinien und Sizilien, Polen, Ungarn, Rumänien, die Länder der Balkanhalbinsel und ganz Anatolien bis zum Aralsee und in den nördlichen Iran. In Russland reicht die nördliche Grenze der Verbreitung etwa bis auf die Höhe von Moskau. Das nördlichste Vorkommen gibt es in Litauen. In der Schweiz, den Benelux-Ländern, in Tschechien und dem größten Teil von Österreich gibt es im besten Fall noch äußerst spärliche autochthone Bestände. Die wenigen Populationen, die es in Deutschland noch gibt, finden sich überwiegend in Ostdeutschland.
Die Europäische Sumpfschildkröte lebt in stillen oder langsam fließenden Gewässern, im Uferbereich von Binnenseen, in Teichen, Gräben und den Altarmen von Flüssen. Im Süden des Verbreitungsgebietes werden auch Bäche besiedelt. Entlang der Mittelmeerküste dringt sie in die brackigen Zonen der Flussmündungen vor. Stark verkrautete, nährstoffreiche Gewässer mit schlammigem Grund werden bevorzugt. Selbst in schlammigen Viehtränken kann man sie gelegentlich finden. Aus dem Wasser ragende Äste, von Bibern gefällte Bäume, Wurzelstrünke und anderes Totholz werden zum Sonnenbaden benötigt, auch Grashorste, alte Nester von Wasservögeln und ähnliches werden zu diesem Zweck aufgesucht. Ebenfalls wichtig sind flache Stillwasserzonen, die durch die Sonne erwärmt werden können.