Afrika,

dunkel lockende Welt ...

Flusspferd

(Hippopotamus amphibius)

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Das Flusspferd, auch Nilpferd oder Großflusspferd genannt, ist ein großes, pflanzenfressendes Säugetier. Es lebt in Gewässernähe im mittleren und südlichen Afrika und zählt nach den Elefanten zu den schwersten landbewohnenden Säugetieren.

Flusspferde sind schwerfällige Tiere mit einem fassförmigen Körper, einem wuchtigen Kopf und kurzen Gliedmaßen. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 2,9 bis 5,1 Metern, wozu noch ein 40 bis 56 Zentimeter langer Schwanz kommt. Die Schulterhöhe beträgt 150 bis 165 Zentimeter und das Gewicht schwankt zwischen 1000 und 4500 Kilogramm. Männchen sind generell größer und schwerer als Weibchen. Die Haut dieser Tiere ist so spärlich mit kurzen, feinen Haaren bedeckt, dass sie nackt erscheinen. Die Haut ist bräunlich, annähernd kupferfarben gefärbt, an der Oberseite ist sie dunkler und am Bauch purpurn.

Flusspferde leben in Gruppen von bis zu 20 Tieren, sogenannte Schulen ("Hippo Schools"). Diese Gruppen werden von einem Weibchen angeführt und haben im Wasser und auf dem Land fest abgegrenzte Territorien. Die Markierung der Reviergrenzen wird durch Bullen vorgenommen, indem Dung und Urin mit kreisenden Schwanzbewegungen auseinanderwirbelt und an Gras, Büschen oder im Wasser verteilt wird. Ältere Bullen leben manchmal einzelgängerisch, für gewöhnlich führen sie aber Gruppen, die aus Weibchen und Jungtieren und manchmal auch jüngeren Männchen bestehen. Jüngere Bullen werden mit Einsetzen der Geschlechtsreife von älteren Bullen verjagt.

Flusspferde sind Pflanzenfresser. Sie nehmen hauptsächlich Gräser, in kleinerem Ausmaß auch andere an Land wachsende Vegetation zu sich. Wasserpflanzen werden allerdings kaum gefressen. Tagsüber findet man sie meist schlafend oder ruhend in Wassernähe oder im Wasser, wobei sie dann häufig bis auf die Augen, Ohren und Nasenlöcher untertauchen. Sie sind relativ schlechte Schwimmer, die es bevorzugen, auf dem Grund des Gewässers entlang zu laufen oder sich vom Wasser tragen zu lassen. Vorwiegend in der Nacht verlassen sie das schützende Wasser, um sich auf Nahrungssuche zu begeben.

Die Zeugung findet im Wasser statt, dabei ist das Weibchen die meiste Zeit untergetaucht und kommt nur zum Luftholen an die Oberfläche. Die Tragezeit beträgt rund 227 bis 240 Tage. Die Geburt kann im seichten Wasser oder an Land erfolgen, üblicherweise kommt ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind selten. Neugeborene wiegen zwischen 25 und 55 Kilogramm und können sofort nach der Geburt bereits laufen und sich vom Wassergrund zur Oberfläche abstoßen. Dies ist notwendig, da Flusspferdweibchen ihre Jungen unter Wasser säugen und das Junge der Mutter beim nächtlichen Grasen an Land folgen können muss. Flusspferdmütter sind sehr fürsorglich, sie lassen die Jungen im tieferen Wasser auf ihrem Rücken reiten und verteidigen sie vehement gegen Fressfeinde. Nach rund sechs bis acht Monaten wird das Jungtier entwöhnt.

In der Vergangenheit kam das Flusspferd auf gesamten afrikanischen Kontinent vor. In Nordwestafrika verschwand es vor etwa 3.500 Jahren. Heute findet man es nur noch in Afrika südlich der Sahara, wobei es am unteren Nil und im Kapland, sowie in weiten Teilen Westafrikas ausgerottet ist. Es ist in langsam fließenden Gewässern aller Größen mit Uferbänken und Sandstränden mit Wassertemperaturen von 18 bis 35 °C zu finden. Stomschnellen werden vermieden. Das Wasser muss tief genug sein, es zu bedecken. Zum Weiden benötigt es Grasland in der näheren Umgebung der Gewässer. Flusspferde kommen u. a. in Naturschutzgebieten vor.

Wegen ihres wohlschmeckenden Fleisches, der sehr widerstandsfähigen Haut, aus der die berühmten Nilpferdpeitschen hergestellt werden, und des Elfenbeins der Zähne oder einfach aus Vergnügen wurden Flusspferde seit jeher von Menschen bejagt. Manchmal gelten sie auch als Schädlinge, da sie Felder und Plantagen verwüsten. In jüngerer Zeit kam der fortschreitende Verlust ihres Lebensraumes hinzu, da die zu ihrer Ernährung notwendigen Grasweiden zunehmend landwirtschaftlich umgestaltet werden. In Teilen ihres Verbreitungsgebietes sind sie ausgestorben oder sehr selten geworden. Die IUCN schätzt den Gesamtbestand der Flusspferde auf 125.000 bis 148.000 Tiere und stuft die Art wegen des stark rückläufigen Bestandes als „gefährdet“.

Eugenia Fritzler, Marco Krings, Michael Strotmann
Hasan Gürbüz, Steffen Bolenius