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Radfahren in Aachen


Auf der Grünroute durch das Wurmtal


Der Start des Aachener Fahrradsommers 2008 findet am Eurogress im Stadtgarten statt. Dieses moderne Veranstaltungs- und Kongresszentrum wurde Anfang der 80er Jahre zwischen dem 5-Sterne-Hotel Quellenhof und dem Neuen Kurhaus, das heute von der Spielbank Aachen genutzt wird, errichtet.
Die zu Kurzwecken und für eine Landesgartenschau gestaltete Grünanlage erstreckt sich von der Monheimsallee bis hin zur Passstraße. Erst im Verlaufe des 19. Jh. wurde diese von einigen Höfen aus bewirtschaftete Wiesen- und Weidelandschaft mit und mit für den Kurbetrieb und die Naherholung entwickelt und umgeformt. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. befand sich an der Stelle des Neuen Kurhauses das städtische Mariahilf-Hospital. Außerdem musste das Denkmal für den 1908 verstorbenen Aachener Ehrenbürger Alfred von Reumont dem Neubau weichen. Es wurde in stark reduzierter Form in dem grünen Mittelstreifen des Alleenringes nahe dem Ponttor wieder aufgebaut. Früher waren Stadtgarten = Farwickpark und Kurgarten getrennt. Um den Kurgarten betreten zu dürfen, musste man eine Eintrittskarte lösen. In den Stadtgarten integriert sind eine große Konzertmuschel, die ehemalige Stadtgärtnerei, jetzt Haus des Neuen Aachener Kunstvereins, Teiche und Spielplätze, die Carolus Thermen, das Observatorium, das Kongressdenkmal und der historische Geusen-Friedhof (Protestantenfriedhof; diese Flur vor dem Kölntor wurde von alters her „der güldene Plan“ genannt. Seit unvordenklichen Zeiten lief ein Weg vom Aachener Siedlungszentrum über den "Pass", der sich weiter in Richtung Osten (Jülich, Köln) über den Grünenweg fortsetzte. Schon der Name ist ein untrügliches Zeichen für Ausbau und Nutzung des Weges bereist in römischer Zeit. Auf der der Stadt zugewandten Seite des Parks lag bis vor St. Peter ein römischer Friedhof beiderseits des Weges. Ob der Weingartsberg früher schon einmal Weingarten war oder ob der AKV erstmals dort Rebstöcke setzte, ist bislang ungeklärt.
Die Fahrt folgt dem also schon zur Römerzeit bestehenden „Pass“ (kleine Steigung) bis zu den Carolus Thermen. Der Ausfahrt gegenüber liegt der Ungarnplatz, wo ein schon historischer Kiosk steht und dessen Platzmitte an zwei Seiten reizvoll von einer Pregola eingefasst ist. Wir fahren über die Ungarnstraße zur Lombardenstraße, der wir rechts bis zum Ludwig Forum folgen, dem Museum für Kunst der Gegenwart aus aller Welt in den Räumen der einstmals größten Schirmfabrik der Welt. Auf der gegenüberliegenden Seite der Lombardenstraße sieht man inmitten einer Grünanlage den ehemaligen Nordbahnhof, der das erste richtige Industriegebiet der Stadt Aachen entlang der Jülicher Straße über die Schiene erschloss.
Die ausgeschilderte Route führt auf der anderen Seite der Jülicherstraße über die Dennewartstraße mit schönen alten Fabrikbauten bis zum Europaplatz. Wer weiß schon, dass zwar nicht in dieser Straße, jedoch in diesem Industriegebiet die Anfänge des Weltkonzerns Henkel liegen und das an der Jülicher Straße nicht nur Eisenbahnen, sondern auch Autos gebaut wurden. Sie haben aber auch die Alternative am ehemaligen Nordbahnhof vorbei bis zur Joseph- von-Görres-Straße zu fahren, deren in den 20er Jahren gebaute Häuser damals für das belgische Militär reserviert waren, die in Aachen von 1918 bis 1928 als Besatzungstruppen stationiert waren.
Am Europaplatz hält man sich auf dem Fahrradweg links bis zur Abfahrt zum Wurmradweg.
Der frühere Mühlgraben und die darüber betriebenen Wassermühlen sind längst verschwunden. Die früher sich windende Wurm ist begradigt. Der weitere Weg führt diesen kleinen, kanalisierten Fluss entlang, vorbei an Schloss Kalkofen bis zum Berliner Ring. Die ehemalige, seit dem späten 14. Jh. urkundlich nachweisbare und mehrfach umkämpfte Wasserburg ließ Bürgermeister Wespien im 18. Jh. durch Johann Jakob Couven zu einem repräsentativen Schloss ausbauen. Zuvor war das Anwesen zeitweise in der Hand eines protestantischen Burgherren, dessen Bediente einmal den dort vorbei gehenden Jesuitenpater, der einmal wöchentlich in Haaren Unterricht gab, wüst beschimpften. Das führte wenig später zu einer Prügelei zwischen den Bediensteten und Jesuitenschülern und -studenten. Das wiederum wurde der Regierung in Den Haag gemeldet, die diplomatisch bei Bürgermeistern und Rat intervenierte.
An die Tordurchfahrt schließt sich links das Herrenhaus auf L-förmigen Grundriß und rechts die dreiflügeligen Wirtschaftsgebäude an. Der ehemalige prächtige barocke Park ist zwar nicht zerstört und überformt, kann aber von den privaten Eigentümern schon seit einigen Generationen nicht mehr in der ursprünglichen barocken Gestalt erhalten werden.
Am Berliner Ring macht der Wurmradweg zur Überwindung des Höhenunterschiedes zunächst einen Versatz nach rechts. Über den stillgelegten Teil des Berliner Ringes fährt man wieder zurück nach links bis zur Wurmbrücke, wo der weitere Weg nach rechts zum Wurmradweg hinab und dann weiter unter der nächsten Brücke hindurch führt.
An der Wurm vorbei gelangt man in die Grünanlage Jülicher Straße / Neuköllner Straße, in der man an der Wegegabelung nach rechts abbiegt und von dort bis zum Wendehammer an der Neuköllnerstraße fährt. Hier gelangt man über eine sanft ansteigende Rampe durch das Straßenbegleitgrün zum Übergang über die alte Bahnstrecke zur Hofenburgerstraße.
Die Hofenburgerstraße geht es bis zur Straße „Auf der Hüls“, in die man nach rechts einbiegt und am Gut Überhaaren vorbei bis zur Straße „Am Mühlenteich“ fährt. Der Siedlungsname Überhaaren („Oeverhaeren“) ist schon in den Schleidener Lehen enthalten, die man Mitte bis Ende des 15. Jh. datiert.
Hier geht es nach links an der Haarbachtalhalle links vorbei zur malerischen Welschen Mühle, deren Gebäude und deren Mahlwerk erhalten sind. Das Rad wie auch das Binnenwerk sind allerdings schon einige Jahre lang nicht mehr funktionsfähig. Eine Reparatur wird von den Haarener Heimatfreunden angestrebt.
Über die Haarbachtalstraße gelangt man zur Ortsmitte Haaren, wo neben den immer noch stark befahrenen Fahrbahnen der ehemaligen R 1 bzw. B1 (Althaarener Straße) ein verkehrsberuhigter Fahrstreifen für Radfahrer und Fußgänger angelegt worden ist. Am weiß geschlämmten Zehnthof vorbei, der sich erdgeschossig mit einer doppelten Arkade zur Straße hin öffnet, geht es bis zur Kreuzung mit der Straße „Auf der Hüls“ und der Germanusstraße.
Der Zehnt war eine kirchliche Abgabe, deren Erhebung innerhalb des Aachener Reiches, d.h. des reichsstädtischen Territoriums, verpachtet wurde. Auf diese Weise konnte die Kirche früher über die Einkünfte verfügen, mußte aber den
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Pächtern auch einen namhaften Anteil für die Kosten der Beitreibung der Abgabe überlassen. Interessant ist, daß der Zehnt im Aachener Reich dem Propst des Aachener Marienstiftes nur bis zur Wurm zustand. Hier grenzten das Bistum Lüttich, zu dem Aachen selbst gehörte, und das Erzbistum Köln, zu dem die östlichen Quartiere (Verwaltungsbezirke) des Aachener Reiches gehörten aneinander.
Dieser Straße folgt man bis zur Laachgasse, wo es nach links weiter geht zum Benno-Levy-Weg, die nach einem in der NS-Zeit ermordeten jüdischen Mitbürger aus Haaren benannt worden ist.
Benno Levy durfte als ehemaliger Frontsoldat und Träger des Eisernen Kreuzes von Sonnenaufgang bis -untergang die Internierungsbaracke verlassen. Eines Tages lauerten ihm aufgestachelten Nazis bei der Rückkehr von einem Besuch in Würselen am Übergang der ehemaligen Kleinbahn über die Friedensstraße auf und prügelten ihn brutal zu Tode. Zwischen dem Benno-Levy-Weg, dem Hergelsmühlenweg und der Hergelsbendenstraße befand sich früher die Hergelsmühle und nördlich von dieser eine Baracke, in denen die Juden aus Haaren und Umgebung für die Todestransporte in die KZ interniert wurden.
Man hält sich rechts, bleibt auf dem Wurmuferweg und fährt der Wurm entlang bis zur Friedensstraße.
Dort geht es nach links ein Stück am Fuß des Ravelsberges und dem darin befindlichen NATO-Tanklager vorbei und dann gleich wieder rechts in den Fahrradweg in Richtung Kaisersruh, das man auf einer Unterführung unter der A 4 Straße durch einen kleinen Viehtunnel hindurch erreicht. Hinüber zur Ruine von Gut Kaisersruh, dessen Park Zar Alexander I. von Russland im Jahre 1818 beim Aachener Monarchenkongreß als Gast des Freiherrn von Fisenne häufig besuchte.
Man kann man die B 57 aber auch ebenerdig und damit etwas gefährlicher überqueren.
Von Kaisersruh führt der Radweg hinab bis zur Wolfsfurth, wo es zwar keine baulichen Überreste der ehemaligen Mühle, jedoch noch Reste der späteren Fabrik gibt, die heute Wohnzwecken dienen. Ein Stück südlich davon befindet sich die älteste und größte Kläranlage der Stadt Aachen, die nach einer Ertüchtigung entsprechend den neuesten wasserwirtschaftlichen und ökologischen Gesichtspunkten heute vom Wasserverband Eifel-Rur betrieben wird.
Bei der Brücke besteht die Möglichkeit, schon hier auf die westliche Seite der Wurm zu wechseln. Der östliche Wurmtalweg enthält zwar einige merkliche Steigungen, bietet dafür aber herrliche Aussichten ins Wurmtal. Die Wurm ist ab Wolfsfurth als natürliches Fließgewässer erhalten geblieben. Streckenweise verläuft neben der Wurm der ehemalige Mühlgraben.
Die Wurmauen und zum Teil der Fluß selbst bildeten im Wurmtal früher die Grenze des Aachener Reiches. Westlich lag das sog. Heydener Ländchen, das heute zu Herzogenrath gehört. Östlich zählte Würselen noch zu den Quartieren des Aachener Reiches, war jedoch noch nicht mit Bardenberg vereinigt. Von einer Anekdote am Durchlass an der Grenze zwischen Bardenberg und Würselen stammt der Spottname "Jeelpuete" (Gelbfüßler). Ein Bauer soll sich so über den Zoll auf Eier in seinem Korb erzürnt haben, die der dortige Wächter von ihm erheben wollte, dass er mit blanken Füßen in den Korb stieg und die Eier zertrat. Seine gelben Füße waren für ihn mit dem schönen Gefühl verbunden, der reichen und übermächtigen Reichsstadt kein Geld zahlen zu müssen.
In den Prallhängen der vielen Flusswindungen brüten heute wieder die Wasseramsel und der Eisvogel. Wir halten uns auf der rechten Seite und fahren den östlichen Wurmtalweg weiter an der Adamsmühle vorbei bis zur ehemaligen Teutermühle, dem heutigen Teuterhof. Von beiden Mühlen ist ein großer Teil der ursprünglichen Gebäude erhalten geblieben.
Im 18. Jh. trieb ein besonders angelegtes so genanntes „Kunstrad“ bei der ehemaligen Mühle über ein Gestänge die Pumpen zur Entwässerung des in der Regie der Reichsstadt Aachen betriebenen Bergwerks “Teut“ an. Das erinnert daran, dass das Wurmrevier urkundlich nachweisbar zu den ältesten Steinkohlenrevieren Europas gehört. Heute lädt uns die neben dem Reiterhof bestehende Gastronomie zur Einkehr auf etwa der halben Strecke unserer Fahrt ein.
Nun geht es auf der westlichen Seite entlang der Wurmauen zurück bis Paulinenwäldchen, wo wir eine merkliche Steigung bis zum Blauenstein, einem klassizistischen Obelisk von Anfang des 19. Jhs., bewältigen müssen. Wir folgen dem oberhalb der Wurm weiter nach Süden führenden Buschweg bis zur Einmündung an der Brücke des Soerser Weges über die A 4.
Auf der gegenüberliegenden Seite liegt das Soerser Haus, Das Haus wurde bis vor gut 10 Jahren landwirtschaftlich genutzt. Die komplexe Hofanlage ist heute nicht mehr öffentlich zugänglich. Das Herrenhaus ist zwar in der Barockzeit damaligen Vorstellungen entsprechend umgebaut und modernisiert worden, verfügt jedoch noch über einen alten mittelalterlichen Wehrturm.
Von hier geht es den Sonnenweg an Gut Sonne vorbei zur Straße "Ferberberg", deren Namen von dem herrschaftlichen Landhaus „Ferber“ mit Wirtschaftshof an der Einmündung zur Berensberger Straße abgeleitet ist. Wir halten uns links und fahren über Ferberberg an den frei stehenden Höfen Stockheide, Linde und Scheuer entlang. Dann fahren wir über den Strüverweg vorbei an dem links hinter einem Weiher versteckten spätmittelalterlichen Wohnturm „Häuschen“, der ehemaligen Stockheider Mühle (später Färberei Rzehak bzw. Tuchfabrik Beckers) , den Gütern Bau, Poch (Familie Bonni) und Strüver vorbei bis St. Raphael, wo der Purweider Weg beginnt.
Der alte Purweider Hof, an den die Wohnbebauung dicht heran gerückt ist, dient heute nur noch dem Wohnen. Sein Name ist von Bornweide (Quell-Wiese) abgeleitet. Hier hatte man vom Fuße des Lousbergs bis zum Wildbach auf Grund der wasserreichen Quellen eine Kette von Weihern angelegt.
An der Kreuzung Soerser Weg/ Purweider Weg/ Merowingerstraße liegt die moderne Pfarrkirche St. Andreas, an der vorbei wir entlang der Merowingerstraße geradeaus über die Krefelder Straße hinweg in die Passstraße hinein fahren. Durch den Stadtgarten hindurch gelangen wir wieder zurück zum Ausgangspunkt.

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