Victoria
Victoria ist ein Bundesstaat von Australien, der im Südosten des Kontinents liegt. Die Hauptstadt ist Melbourne.
Geographie
Victoria hat Anteil an vier Großlandschaften: dem Murraybecken im Norden, dem südlichen Bergland, der Great Dividing Range an der Grenze zu New South Wales und der schmalen Küstenebene im Osten. Die malerische Great Ocean Road mit der beeindruckenden Felsformation „Zwölf Apostel“ (Twelve Apostles) führt an der Südküste entlang. Im Juli 2005 stürzte einer der Felsen ins Wasser. Obwohl Victoria der zweitkleinste Bundesstaat Australiens ist (kleiner ist nur noch Tasmanien), erstreckt es sich auf eine Fläche von rund zwei Dritteln der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Neben der Hauptstadt Melbourne mit ca. 3,7 Mio. Einwohnern zählen Geelong (154.150 EW), Ballarat (80.330 EW) und Bendigo (75.857 EW) zu den größeren Städten.
Highlights
Great Ocean Road
Die Great Ocean Road ist eine rund 250 km lange Straße, die entlang der australischen Südküste zwischen Geelong und Warrnambool im Bundesstaat Victoria verläuft. Sie wurde zwischen 1919 und 1932 gebaut, zum einen als
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für heimgekehrte Soldaten des ersten Weltkriegs, zum anderen, um eine Straßenverbindung zu den zuvor nur per Schiff zugänglichen Küstenorten zu schaffen.
Von Osten führt die Great Ocean Road zunächst vorbei an den Ferienorten Torquay (Bells Beach - Surferparadies), Anglesea, Lorne und Apollo Bay mit ihren Sandstränden und bietet auf der kurvenreichen Fahrt malerische Blicke auf die Bass Strait und den Südlichen Ozean. Hinter Apollo Bay verlässt sie die Küste und führt durch die gemäßigten Regenwälder des Great Otway National Park. Dann folgt die für ihre zerklüftete Steilküste bekannte Strecke durch den Port-Campbell-Nationalpark mit den Twelve Apostles und dem Bay of Islands Coastal Park.
Sehenswert ist auch die Felsformation Loch Ard Gorge, das Loch Ard Shipwreck Museum in Port Campbell und die sogenannte London-Bridge. Diesen Küstenabschnitt wird auch Shipwreck coast genannt, da hier mehr als 80 Schiffe gesunken sind.
Im Westen endet die Straße in dem ehemaligen Walfanghafen und heutigen Badeort Warrnambool.
Twelve Apostles
Die Twelve Apostles (deutsch: Zwölf Apostel) sind bis zu 60 Meter hohe, im Meer stehende Felsen aus Kalkstein. Sie liegen zwischen Princetown und Port Campbell im australischen Bundesstaat Victoria im Port-Campbell-Nationalpark. Sie sollen nach Uluru (Ayers Rock) die meistfotografierte Touristenattraktion Australiens sein. Sonnenauf- und -untergang lassen die Felsen in der Brandung leuchten. Sie
bilden einen der Höhepunkte an der Great Ocean Road, einer spektakulären Küstenstraße im Südosten Australiens.
Die pfeilerartigen Gebilde unterschiedlicher Höhe und Durchmessers entstanden durch die erosive Kraft des Meeres. Jährlich weicht die Steilküste der Port-Campbell-Klippen um rund zwei Zentimeter weiter zurück. Widerstandsfähigere Partien bilden zunächst Halbinseln, die später nur noch mittels natürlicher Brücken Verbindung zum Festland halten. Wie 1990 beim sogenannten London Arch brechen diese Konstruktionen im Laufe der Zeit zusammen und auch die Felstürme der Zwölf Apostel sind geologisch gesehen nur eine Erscheinung von kurzer Dauer. Die karbonatische Grundsubstanz aus der Heytesbury-Gruppe wurde im tertiären Miozän im Otway-Becken nach einem Meeresspiegelanstieg abgelagert.
Trotz ihres Namens bestand die Formation nur aus neun Felsen. Nachdem am 3. Juli 2005 ein 50 m hoher Felsen (ganz links auf dem Bild Twelve Apostles im Abendlicht) aufgrund des natürlichen Erosionsprozesses an der Basis des Felsens in sich zusammenstürzte, sind es nun noch acht Felssäulen.
Melbourne
Melbourne ist die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria in Australien. Sie ist mit knapp 3,6 Millionen Einwohnern (2007) nach Sydney die zweitgrößte Stadt des australischen Kontinents. In der Metropolregion (Melbourne Statistical Division) leben 3,8 Millionen Menschen (2008). Melbourne wurde 1837 nach dem damaligen britischen Premierminister Lord Melbourne benannt und ist katholischer sowie anglikanischer Erzbischofsitz. Die aus der Kernstadt Melbourne City mit 71.380 Einwohnern (2006) und 30 weiteren Gemeinden bestehende Agglomeration ist das wichtigste wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum Victorias. Zur Bevölkerung der Stadt gehören viele Einwanderer, die chinesischer, britischer, griechischer, italienischer, irischer, kroatischer, vietnamesischer sowie jüdischer Herkunft sind. Aufgrund von Erhebungen des „The Economist“ ist Melbourne in den Jahren 2002, 2004 und 2005 zu der lebenswertesten Stadt der Welt (unter Berücksichtigung der kulturellen Gegebenheiten, dem Klima, den Lebenshaltungskosten und dem sozialen Umfeld) gewählt worden.

Das Stadtbild Melbournes wird beherrscht von zahlreichen Bürohochhäusern. Sehenswerte Bauwerke sind unter anderem das State Parliament House, die Royal Exhibition Buildings, die 1968 eröffnete Börse, die St. Patrick's Cathedral und Flinders Street Station. 2006 wurde der Eureka Tower fertiggestellt, der seitdem mit 297 Metern Höhe und 91 Stockwerken das größte Gebäude Melbournes ist.
Mit dem Melbourne Museum wurde zudem im November 2000 der größte Museumskomplex der Südhalbkugel eröffnet.
Klima
Das Klima ist mitteleuropäisch bis mediterran geprägt. Im Bergland gibt es vorwiegend Eukalyptuswald, der im relativ milden Winter durchaus auch mit Schnee bedeckt sein kann. Am Mount Buller in den australischen Alpen ist Wintersport möglich. Die Fläche von Victoria umfasst 227.420 km2. Auf Phillip Island in der Nähe der Mornington-Halbinsel können das ganze Jahr über Zwergpinguine (Eudyptula minor) im Rahmen eines gut ausgebauten und organisierten Besucherzentrums beobachtet werden, dessen Erlöse zum Erhalt der Pinguin-Population verwendet werden. Allerdings kommen auch starke Hitzewellen vor. So war im Februar 2009 die größte Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichungen mitverantwortlich für die verheerenden Buschfeuer mit weit über 200 Todesopfern.
Bevölkerung
Victoria mag das flächenmäßig kleinste Bundesland Australiens sein, was die Einwohnerzahl angeht, wird es nur von New South Wales übertroffen: Das Bundesland hat etwa 4,97 Millionen Einwohner. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt etwa 22 Einwohner pro Quadratkilometer. 73,7 Prozent der Einwohner wurden in Australien geboren, 1 Prozent in Neuseeland, 15,6 in Europa, 4,6 in Asien und 0,9 Prozent in Afrika. In Victoria gibt es nur sehr wenige Aborigines (0,3 Prozent der Gesamtbevölkerung).
Mit einer Einwohnerzahl von über drei Millionen und einer Fläche von mehr als 6 000 Quadratkilometern ist Melbourne eine der größten Städte der Welt und eine der multikulturellsten Australiens: 37 Prozent der italienischen Bevölkerung, 19,5 Prozent der libanesischen und etwa ein Drittel der vietnamesischen Bevölkerung leben in Melbourne. Der Aborigines-Anteil an der Gesamtbevölkerung der Stadt liegt lediglich bei 0,2 Prozent.
Provinzzentren Victorias sind Geelong, das sich etwa 60 Kilometer südwestlich von Melbourne befindet und die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes ist (Einwohnerzahl etwa 150 000), Ballerat, Bendigo, Mildura und Shepparton.
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Wirtschaft
Victoria war in seinen ersten 100 Jahren wirklich ein „Garten”- und Agrarland. Es bleibt auch weiterhin ein wichtiger Erzeuger für landwirtschaftliche Produkte. Ein gemäßigtes Klima, verschiedenste Bodentypen und die vergleichsweise günstige Topographie erlauben den Anbau von Freilandkulturen und Gemüse, Viehhaltung und eine rasch expandierende Weinindustrie. Ein Teil des besten Ackerlandes Australiens liegt in den vulkanischen Ebenen des Western District. Getreide wird in großem Ausmaß in den Regionen Wimmera und Mallee erzeugt. Milchwirtschaft wird in den östlichen, bewässerten Ebenen betrieben. Das Murraytal und seine Umgebung sind Mittelpunkte des Anbaus von Tafel- und Weintrauben sowie Zitrusfrüchten. Die Industrie stellt in Victoria etwa ein Fünftel des Produktionswertes und ist heutzutage der beherrschende Wirtschaftssektor. Hergestellt werden Textilien, Maschinen und Maschinenausrüstungen, verarbeitet werden Kunstharze, Eisen und Stahl. Die Erdöl- und Erdgasfelder des Gippsland-Beckens in der Bass-Straße förderten zu Beginn der neunziger Jahre fast 60 Prozent des australischen Rohöls. Die Erdgasförderung aus dem Gippsland-Becken betrug etwa 41 Prozent der nationalen Gesamtfördermenge. Mit der Braunkohle, die im Latrobe-Tal in Hülle und Fülle zu finden ist, wird der größte Teil des Strombedarfs des Bundeslandes gedeckt.
Einen zunehmenden Beitrag zur Wirtschaft leistet der Fremdenverkehr. Trotz seiner geringen Größe weist Victoria viele unterschiedliche Landschaftselemente auf. Der Wyperfield Nationalpark und der Little Desert Nationalpark liegen in dem trockenen, westlichen Wüstengebiet. Die Grampians im mittleren Westen des Bundeslandes haben eine spektakuläre Gebirgslandschaft und steile Wanderwege zu bieten. Hochgebirgsregionen im Nordosten und der Snowy River Nationalpark an der Grenze nach New South Wales ziehen Skifahrer und Kletterer an. Die lange Küste von Victoria ist mit reizvollen Hafenstädten, Urlaubsorten und Buchten übersät.
Melbourne trat seine Funktion als Finanzhauptstadt von Australien schrittweise an Sydney ab. Finanzkrisen am Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts schadeten dem wirtschaftlichen Image Victorias und Melbournes. Die Stadt ist aber weiterhin Hauptsitz vieler wichtiger australischer Firmen. Und Victoria bleibt weiterhin das am dichtesten besiedelte und am stärksten industrialisierte Bundesland Australiens. Es erwirtschaftete zu Beginn der neunziger Jahre 26 Prozent des Bruttoinlandprodukts von Australien, was fast einem Drittel der Industrieproduktion, einem Viertel der landwirtschaftlichen Produktion und 24 Prozent der Einnahmen aus landwirtschaftlichen Exporten entspricht.
Geschichte
Aborigines lebten schon seit ungefähr 40.000 Jahren im Gebiet des heutigen Victoria, als in den 1830er-Jahren die Besiedlung durch Europäer besonders von Tasmanien aus einsetzte. Im Jahre 1835 wurde Melbourne gegründet. Ab 1851 war Victoria eine separate britische Kolonie. Goldfunde im Jahre 1851 bei Ballarat und Bendigo lösten einen Goldrausch und damit verbunden eine Masseneinwanderung (Europäer und vor allem Chinesen) aus. 1901 wurde Victoria Mitglied des Australischen Bundes.
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